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Perspektive Wiedereinstieg

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Netzwerken unter Müttern. Wie es gelingt und warum es so wichtig ist.

Wenn das Kind in den Kindergarten kommt, beginnt ein neuer, aufregender Lebensabschnitt. Nicht nur für das Kind, sondern auch für die Eltern und das Familienleben. Vielleicht hat das Kind bislang eine intensive Einzelbetreuung erfahren, möglicherweise sogar ausschließlich durch die Mutter. Denn nach wie vor sind es vor allem die Frauen, die in Elternzeit gehen. Mit dem Übergang in eine externe Betreuung beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der von vielen Emotionen begleitet wird. Es entstehen neue Verbindungen, neue Freundschaften und neue Herausforderungen und auch innere Konflikte (die sich natürlich genauso auf Väter übertragen lassen, die in der Familienphase waren oder sind).

Der Kindergarten kann unendlich groß, laut und turbulent erscheinen und inmitten dieser dynamischen Umgebung das eigene Kind klein und zerbrechlich. Jetzt beginnt das Kind seine ersten vorsichtige Gehversuche ohne Eltern. Aus eigener Erfahrung als alleinerziehende Mutter weiß ich, dass sich Gefühle von Stolz und Freude mit Fragen und Sorgen abwechseln. Ob das Kind in dieser Umgebung aufblühen und sich wohlfühlen wird?
Der Prozess des Loslassens wird auch in unserem Coaching thematisiert und häufig als „innerer Umbruch“ dargestellt, der von Zweifeln, Sorgen und Ängsten begleitet wird. „Wird das Kind diesen Schritt des „Loslassens“ gut verkraften? Wird es unter der Trennung tagsüber leiden? Wird es vielleicht sogar Verlustängste entwickeln?“ Schnell arbeitet das schlechte Gewissen dem Kind gegenüber auf Hochtouren und es stellt sich die Frage, ob man eine gute Mutter ist.

Doch es gibt auch noch einen anderen Aspekt: Mit dem Übergang in den Kindergarten lassen sich häufig neue Zeitfenster erschließen. Jetzt lässt sich der Wiedereinstieg in den Beruf realisieren. Frauen, die den Weg in unser Projekt finden, haben häufig den Wunsch die eigene berufliche Laufbahn wieder aktiv zu gestalten. Natürlich muss dafür die Betreuung des Kindes abgesichert sein. Doch auch dann kann immer mal eine Situation eintreten, in der Eltern spontan handeln müssen, weil das Kind z.B. krank geworden ist. Wer sich dann auf die Unterstützung aus dem Verwandten- oder Freundeskreis verlassen kann, kann sich glücklich schätzen

Mein Tipp: Netzwerken Sie!

Reflektieren Sie ihr Netzwerk und erweitern Sie es. Gerade in Notsituationen ist es wichtig, das eigene Netzwerk belasten zu können.

Die nächsten Bezugspersonen, die im Coaching benannt und als mögliche Betreuungspersonen im Alltag gefordert werden, sind die Großeltern. Das ist großartig!
Doch nicht immer können sie als verbindliches Betreuungssystem für das Kind eingeplant werden. Vielleicht leben sie nicht in der unmittelbaren Umgebung oder sind junge Rentner, die die Welt bereisen wollen, vielleicht sind sie aber auch krank, pflegebedürftig oder leider verstorben.

Doch wen können Sie noch in ihr Netzwerk einschließen?

Wir beginnen oft damit Frauen aus der Nachbarschaft, aus dem Ort, aus Kindergarten und Schule zu benennen. Wer ist sympathisch? Mit welchem Kind spielt mein Kind gerne? Mit wem kann ich mich austauschen? Ein ehrlicher Austausch mit anderen Müttern erweist sich oftmals als enorm erleichternd und hilft einander zu stärken und sich gegenseitig zu unterstützen. So kann es in schwierigen Situationen, in denen Sie beruflich stark eingespannt sind, gelingen, dass ihr Kind von anderen Müttern liebevoll (z.B. beim Spendenlauf) mitversorgt wird. Nur zu gern werden Sie sich revanchieren, falls die andere Mutter mal berufsbedingt ausfällt.

Und wen gibt es noch?

Sind Kinder aus der Nachbarschaft möglicherweise in einem Sportverein aktiv? Vielleicht können Sie sich zusammenschießen, eine Fahrgemeinschaft bilden und brauchen nur noch alle 2-3 Wochen Mamas Taxi spielen. Wie würden Sie die gewonnene Zeit nutzen? Würden Sie liegen gebliebenes aufarbeiten oder einfach mal durchatmen?

Und dann sind da noch die Sommerferien.
Kindergärten schließen in dieser Zeit immer drei Wochen, Schulen oftmals 6 Wochen. Mit welchen anderen Müttern können Sie sich zusammenschließen und die Kinder in Gruppen im Wechsel zuhause betreuen, oder den Fahrdienst zur Ferienbetreuung wechselseitig übernehmen?

Bei einigen Arbeitgebern besteht die Möglichkeit, das Kind in Ausnahmefällen stundenweise mit zur Arbeit zu bringen. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass das Kind sieht, wo die eigene Mama tagsüber ist und nicht selten die Arbeit als „cool“ und die Kollegen als „total nett“ angesehen werden.

Nach und nach kann sich durch kleine Veränderungen ein verbindliches Betreuungssystem entwickeln, in dem Sie und ihr Kind/ihre Kinder sich sicher und selbstbewusst bewegen können. In dem die Arbeit der Mutter (des Vaters) von allen Seiten positiv wahrgenommen wird. Durch die Öffnung nach außen können sich vielleicht sogar neue Freundschaften entwickeln, die das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit bei allen fördert.

Als berufstätige Mutter weiß ich, dass man oft ein gutes Selbstbewusstsein benötigt, wenn man wieder als letzte das Kind abholt oder erst kurz vor Beginn des Kindergottesdienstes in die Kirche stürmt. Meine Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, sich anderen Müttern zu öffnen, nicht in die Konkurrenz und den Vergleich zu gehen, sondern sich gegenseitig zu schätzen und aufzubauen.

Manchmal wird man aber auch da gestärkt, wo man es sich am wenigsten erhofft. So sagte meine Tochter letztens zu mir: „Mami, ich bin gerne das Kind im Kindergarten, das als letztes abgeholt wird. Gegen Nachmittag wird es viel ruhiger, ich komm an alle Spielsachen ran und eigentlich hat immer jemand Zeit, um mit mir zu kuscheln. Das ist voll cool!“

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